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Trümpler – ein Grosskaufmann wird Fabrikant.

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Es wurde oft gesagt, dass um 1815 die Ostschweizer Handspinnerei unter den tiefen Preisen der englischen Konkurrenz litt. Das ist (wenigstens teilweise) falsch!

Qualität, Leistungsfähigkeit und Erneuerung sind ebenso wichtig wie der Zugang zu Märkten, Marktinformationen und die Fähigkeit neue Ideen in neue Produkte zu münzen. Es zeigt sich besonders in den Jahren 1800 bis 1820 wie das funktionierte und in vielen Bereichen eben nicht gelang. Nur Baumwolle zu kaufen und Spinning Jenny anzuschaffen reichte für das Überleben einer Spinnerei eben nicht. So gingen zwischen 1815 und 1825 mehrere Dutzend kleinere Spinnereien im Oberland Konkurs. Die meisten konnten wohl den Nachschub an Baumwolle weder sicherstellen noch finanzieren. Die Mechanisierung vervielfachte die Produktionskapazitäten um ein Mehrfaches – allein dieser Fakt war eine gewaltige Herausforderung für die Oberländer Landverleger. Es gab für diese Phase keine Bankkredite!

Erst der Zusammenschluss der geschickteren Landunternehmer mit den gewiefteren Handelskaufleuten der Städte im Rahmen der wirtschaftlichen Öffnung und der Gewerbefreiheit nach der Revolution, der Mediation, dem Bundesvertrag, dem Wiener Kongress, der Neuen europäischen Ordnung und der Friedenszeit erlaubten es erfolgreiche Unternehmen aufzubauen.

Das Zusammengehen von Trümpler und Korodi-Pfister im Jahr 1829 in Uster ist ein Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit und eine erfolgreiche Ausweitung der Geschäftsmöglichkeiten. Es begann das Zeitalter der «Mechaniker». Die Beherrschung der Technologie der Wasserkraft war der Schlüssel zum Erfolg. Ein weitmaschiges Beziehungsnetz konnte diesen Erfolg nur noch verstärken.

J. Trümpler der Grosskaufmann wird Fabrikant

Aus der Familiengeschichte der Trümpler (von Küsnacht) geht die Geschichte einer Bauern-, Weinhändler- und Kaufleutefamilie hervor. J.J. Trümpler (1768-1845) lebte vom Handel. Er war ein Grosskaufmann am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert. Er war vom altem Schlag, verkehrte in ganz Europa und hatte ein Netzwerk rings um das Mittelmeer. Er erlebte die Kontinentalsperre und den Aufbau der wassergetriebenen Spinnerei nach 1820:

  • Lehrling bei Caspar Schulthess & Cie. in Zürich.
  • In Lausanne mit Gabriel Boulanger und Christian Dapples Gründung einer Société de Commerce, dann einige Jahre Vertretung dieser Firma in Genua und Marseille.
  • 1811/1812 Rückkehr nach Zürich, mit Martin Gysi Gründung der Baumwollhandelsfirma Trümpler & Gysi, die ab 1829 zwei Drittel der Baumwollspinnerei Korodi & Pfister in Oberuster besass.
  • Nach dem Usterbrand 1832 kaufte das Unternehmen Trümpler & Gysi das Fabrikareal und errichtete dort 1836-37 neue Produktionsanlagen.

Beispiele von Geschäften eines Grosskaufmanns zwischen 1800 und 1830

  • Die Firma Friedrich de Benjamin Wegmann machte bei Trümpler Bestellungen in Baumwolle
  • Auch der Wittib Bluntschli unterbreitete Trümpler seine Baumwoll-Muster, während sich die Witwe des Johann Rudolf Zimmermann für Oel interessierte
  • Auf Cyprische Baumwolle reflektierten unter anderem Salomon Arter und Carl Adolf Burkhhardt; letzterer offerierte dafür Garn
  • Scheuchzer wünschte zum Beispiel marokkanische Baumwolle
  • Nüscheler offerierte Triester Seife und Saflor
  • Die Firma Meyer & Fäsy war zur selben Zeit mit dem Caffé, den Trümpler geliefert hatte, sehr zufrieden, während sie klagte, auf der Baumwolle habe sie nichts verdient
  • Mit Salomon Trachsler, der sich mehr mit Bankoperationen abgab, war nicht viel zu machen, während Melchior Römer Sohn seine Mousselines durch Trümpler verkaufen liess …
  • Zu Trümplers Kunden gehörte auch Herr Peter im Tratschmidli, der extrafeines Provencer Oel bezog
  • Rieter & Hanhart & Co. offerierten ihre Dienste in Mousselines, «thun zuweilen auch in Baumwolle»
  • Egloff & Zuppinger liessen Trümpler Englisch Garn, Mousselines und Seidenstrümpfe sehen, die er aber als «alte verlegne Waar» taxierte
  • Der Hufschmied Heinrich Düggeli interessierte sich für Stahl
  • Jacob Vogel wollte auch keinen Caffé und hatte zurzeit keine Mandeln nötig
  • Johannes Schulthess stellte Trümpler einen Auftrag für Seide aus Bozen in Aussicht
  • Herr W. Schinz bestellte circa 100 Ballen Baumwolle, aus Triest zu beziehen
  • Die Herren Rieter würden auch Indigo bestellen, wenn die Preise etwas billicher wären
  • Bei gegenwärtiger Lage in der Schweiz will niemand Geschäfte machen, und ist jedermann begierig sein Schicksal zu sehen
  • … der gegen Alta-Baumwolle etwa 200 Dutzend Mouchoirs abkaufte
  • Die Herren Girtanner lieferten Trümpler Garn
  • Kunkler, mit welchem Trümpler in Marseille sehr viel geschäftlich zu tun hatte, verschaffte ihm unter anderem die neuesten Nachrichten aus Smyrna über den Aufschlag der Cochenilles und amerikanischen Produkte
  • Trümplers Garn sei sehr schlecht und nirgends abzusetzen
  • Trümpler besah dort (St. Gallen) auch eine englische Spinnmaschine
  • offerierte ihm eine Partie Sallona-Baumwolle, die er in Bregenz gelagert hatte
  • Während Sulzberger nach römischem Alaun fragte, wollte die letztere Mandeln, mit und ohne Schalen
  • über Aarau notiert Trümpler: Die Baumwolle ist in hiesiger Gegen sehr rar; Kleesamen will niemand
  • Garnier & Wesel gaben mir als die besten Indiennes Fabriquen auf: Frey, Lagier Père & Fils, Petit & Senn und Etiene Chapuis
  • Baumwolle, Oel, Seide, Gold, Cochenille, Mouchoir von blauer Farbe, Emmentaler Servietten mit dem Muster „Kriegstanz“, Caffé, Zucker, Grünspan, Krachmandeln, Nastücher, Soubory- und Kirkagatz-Baumwolle, Stahl, Wein, Seiden nach dem Gewicht von Zurzach, Basel und dem Gewicht von Zürich, Zahlungen in Pfund,Hallern oder in Gulden, aber auch Neutaler, bei den Massen die Elle, der St. Galler Zentner
  • Trümpler reist nach Genua, Genf, Lyon, Marseille, Winterthur, Ostschweiz, Tirol, Triest und hat Verbindungen nach Smyrna, Adrianopel und Saloniki, Jaffa, Alexandria, Cypern und Tunis
  • 1811/1812 erwirbt Trümpler das Zürcher Stadtbürgerrecht und erwirbt dazu ein Haus: den Trümplerturm und tritt der Zunft zum Weggen bei

 

1829 – Trümpler wird Fabrikant

Das Jahr 1829 brachte eine weitere, für die Zukunft sehr bedeutungsvolle Änderung. Am 31. Juli 1829 wurde ein Vertrag geschlossen mit den Herren Korodi und Pfister in Ober-Uster, mit denen man seit Jahren in freundschaftlichen Geschäftsverhältnissen stand. Die  Mechanische Baumwollspinnerei der Herren Korodi und Pfister in Ober-Uster wurde für die Summe von 50000 Gulden in die Societät aufgenommen. Von jetzt an verlegte sich die Firma mehr und mehr vom Handel auf die Fabrikation und das Schwergewicht ihrer Tätigkeit verlegte sich mit der Zeit von Zürich nach Uster, wo sich dann vor allem die als «Mechaniker» ausgebildeten Brüder Julius und Gustav Trümpler betätigten.

Auf der oben zitierten Buchseite mit Übersicht über die Anteilhaber von Trümpler & Gysi wurde die Bezeichnung «Baumwollen-Handlung» denn auch entsprechend gestrichen und durch die neue Bezeichnung «Baumwoll-Spinnerei & Weberei»

Uster war mit einem ausgedehnteren Landwirtschaftsbetrieb verbunden und wurde der Familie Trümpler mehr und mehr auch Ferien- und Erholungsort. Frau Charlotte Trümpler-Steiner weiss in ihren Briefen an den Sohn nicht genug die Stille und die reine Luft ihres Pied-à-terre in Uster zu rühmen …

Der Zusammenschluss zwischen Trümpler und Korodi & Pfister führte zu einer erfolgreichen Entwicklung des Spinnereigeschäfts. Es war aber nicht vor Rückschlägen gefeit. Diese treffen auch erfolgreiche Unternehmen. Es ist ein Frage wie die Unternehmen die Krisen meistern, also wie gewandt sie sich verändern und anpassen können. Die Trümpler hatten in ihrer Familiengeschichte einige solche Persönlichkeiten gehabt.

Anmerkung des Autors: Die Texte sind der Familiengeschichte der Trümpler und dem Inventarium der Trümpler von 1829 aus dem Stadtarchiv Uster entnommen. Herr Rico Trümpler überliess dem Autor freundlicherweise die Familiengeschichte Trümpler zum Studium.

 

Weiterführende Links

 

Zucker

Buchhaltung der Baumwollhandels-Firma Trümpler&Gysi, Zürich, für die Jahre 1824-1828. Quelle: Martin Gabathuler, im Stadtarchiv/Paul Kläui Bibliothek, Uster (aus dem Nachlass der Firma Trümpler, Uster)

 

Seidenwaren II

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