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Kattun – der Stoff unseres Wohlstandes.

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Baumwollsäcke in der Museumsspinnerei Neuthal. Foto: Peter Schulthess

Seit dem späten 16. Jahrhundert wurden im Kanton Zürich Textilien für französische, italienische und deutsche Abnehmer hergestellt. Frauen, Kinder und auch Männer in ländlichen Haushalten, Arbeiterinnen und Arbeiter in zentralen Manufakturen der Stadt wie auch Grosskaufleute waren mit der Produktion befasst. Dieses ganze System wurde von den Zeitgenossen als «fabriques» bezeichnet.

Dessen Entstehung und Entwicklung basierten auf einer für die Ostschweiz und vor allem für den Kanton Zürich spezifischen vorindustriellen Form eines langfristigen Wirtschaftswachstums ohne technischen Wandel. Dieses Wirtschaftswachstum war aber durch die rückständige Nahrungsmittelproduktion an seine Grenzen gekommen. Am Ende des 18. Jahrhundert war das System der «fabriques» verletzlich geworden.

Vorausschauende Kräfte leiteten ab 1780 den dringlichen technischen und agrarischen Wandel ein. Die Veränderungen beschleunigten sich zwischen 1800 und 1815 durch die Wirren der Revolution, der Koalitionskriege, der Helvetik und Mediation und protektionistischen Handlungen während der Kontinentalsperre einerseits und die agrarischen Rückschlage durch Witterung in der landwirtschaftlichen Produktion andererseits.

Kattun – der Stoff unseres Wohlstandes

Baumwolle zählte zusammen mit Gewürzen und Seide zu den Haupthandelsgütern im 19. Jahrhundert. Im Industrialisierungsprozess kam und kommt der Baumwolle in der Tat eine Schlüsselrolle zu.

Die Rohbaumwolle wurde von städtischen Händlern (Basel, Genf, Zürich, St. Gallen) aus der Karibik und aus der Levante eingeführt. Landverleger übernahmen die Baumwolle und führten sie der Handspinnerei zu. Die gesponnen Garne wurden dann von den Tuchhändlern den Handweber zur Verfügung gestellt. Die fertigen Gewebe wurden entweder gebleicht, gefärbt und/oder bedruckt. Das geschah in Manufakturen (Zürich, Winterthur, Aarau, Welschland, Mühlhausen/Elsass). Anschliessend gingen die Gewebe in den Export (Frankreich und Italien)

England – das grosse, liberale Vorbild

Die Erträge der englischen Baumwoll-Manufakturen und Fabriken kompensierten die englischen Kriegskosten der Jahre 1793 bis 1815 und hinterliessen der englischen Staatswirtschaft einen Überschuss von mehr als 100 Millionen Pfund Sterling.

Die Erschliessung der amerikanischen Baumwolle durch die Einfuhr indischer Baumwollsamen in nordamerikanische Gebiete im 17. Jahrhundert führte binnen kurzer Zeit im Baumwollanbau Nordamerikas zu einem Boom und liess die Preise für Rohbaumwolle sinken.

Die technologischen Neuerungen in der Spinnerei und später der Weberei, sowie der Bleicherei (1756 führt England das erste chemische Bleichverfahren für Baumwolle ein) und die Druckerei (Walzendruck) veränderten auch die Heimindustrie (Protoindustrie) und die folgende Industrialisierung in der Schweiz.

Vor allem gelang der endgültige Aufbruch in Richtung Massenware als 1793 Ely Whitney die Entkörnungsmaschine „Cotton Gin“ entwickelte. Ein „Cotton Gin“ schaffte die Arbeitsleistung von 3000 Sklaven, die nun zur Ernte der Baumwollfelder geschickt werden konnten. Infolge dessen wurden die Flächen für den Baumwollanbau stark ausgedehnt. Der Ausbau der grossen Handelsplätze und die Übermacht des englischen Staates durch seine Flotte gegenüber allen anderen europäischen Staaten verstärkte die Dominanz Englands in der Baumwolle. Zwischen Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts kam der nordamerikanische Baumwollhandel zur Blüte und „King Cotton“ dominierte den Weltmarkt.

Das Ende der „Zürcher Fabriques“

Ausgehend von den Erfindungen und Maschinen in England haben auch schweizerische Unternehmer begonnen Fabriken zu planen, zu bauen und Maschinen aus Frankreich oder aus Eigenproduktionen eingerichtet. Im Gegensatz zu England – welche die Gewerkschaften verboten hatten – gab es in dieser Zeit noch keinen Maschinensturm in der Schweiz; Drohungen gegen Spinnerei-Fabriken hingegen schon.

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Bild: Baumwolle in der Museumsspinnerei Neuthal. Foto: Peter Schulthess.

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