Indigo.

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Krapp und Krapplack – vom natürlichen zum synthetischen Textilfarbstoff (ETHZ, Hönggerberg, Chemische und
Pharmakognostische Sammlung). Foto: Peter Schulthess, Frühjahr 2015

Als Kolonialwaren wurden früher – besonders zur Kolonialzeit – überseeische Lebens-  und Genussmittel, wie z. B. Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee bezeichnet. Kolonialwarenhändler handelten mit diesen Produkten, die in Kolonialwarenläden und -handlungen verkauft wurden. Der Kolonialwarenhandel wurde statistisch vom Produktehandel (z.B. Wein, Baumwolle) und vom Manufakturwarenhandel (z. B. bedruckte Gewebe) abgegrenzt.

Die Schweiz importierte neben grossen Mengen von Rohbaumwolle auch wichtige Hilfsstoffe für die Textilindustrie wie Indigo, Krapp, Gummi Arabicum aus den europäischen Kolonien. Diese wurden für die Färberei und vor allem für das Bedrucken von Indienne-Geweben und Mousseline-Stoffen (Zeugdruck) benötigt.

Das Handelshaus Ammann in Schaffhausen

Hans Jacob Ammann, der entgegen dem Eintrag im Taufbuch sich später selber immer Johann Jacob nannte und nie anders unterzeichnete, war das älteste Kind des Großrates und Vogtrichters Hans Heinrich Ammann und dessen Ehefrau Anna Margaretha geborene Deggeller zum goldenen Schlüssel (Unterstadt). Unter den ihm noch folgenden sieben Geschwistern erwähnen wir vorwegnehmend seinen Bruder Hans Heinrich, der als Pfarrer während 30 Jahren auch die Verwaltung und Aufsicht über das Hurtersche Waisenhaus auf der Steig führte. Zwei weitere Brüder dienten in der vaterstädtischen Miliz als Hauptleute. J. J. Ammann, mit seiner gesamten Sippe von jeher bei den Rüden zünftig, begann seine politische Laufbahn wie die meisten Schaffhauser als Urteilsprecher, das heißt als Mitglied des Stadtoder Schuldengerichtes (1725). Im Jahre 1732 wählte ihn seine Zunft als Sechser in den Vorstand und öffnete ihm damit den Weg in den Großen Rat. Zum Zunftmeister ernannt, zog er 1736 in den Kleinen Rat ein, eine Würde, die deren Träger in der Regel bis zu seinem Tode bekleidete, wenn er nicht vorzog, früher zu resignieren. Seit 1741 amtete er als Eherichter und von da an vertrat er den Stand Schaffhausen während zwei Jahrzehnten als «Ehrengesandter» auf der Tagsatzung.

Indessen liegt das Schwergewicht von Ammanns Tätigkeit nicht auf politischem, sondern auf wirtschaftlichem Gebiete. Er ist, ohne daß darin ein Erbstück von Seiten seiner Vorfahren festzustellen wäre, zum Gründer eines angesehenen und erfolgreichen Handelshauses geworden, eines Unternehmens von internationalem Ruf, das im Schaffhauser Wirtschaftsleben einen ersten Platz besetzte.

Die Anfänge des Ammannschen Handelshauses liegen nicht klar aufgedeckt. Immerhin lässt sich soviel ermitteln, daß sie in den Beginn der zwanziger Jahre zurückreichen und daß Ammann das Geschäft erst mit seinem Schwiegervater, später mit seinem Schwager Rauschenbach betrieb, eine «Compagnie», die bis 1743 bestand. Daß J. J. Ammann schon in verhältnismäßig jungen Jahren im hiesigen Kaufmannstande Ansehen genoss, geht daraus hervor, daß er seit 1732 im Kaufmännischen Direktorium saß.

Handel mit Farbstoffen – Indigo, Krapp, Cochenille

Hinsichtlich der Kaufmannsgüter schwingt der Handel mit Farben weit obenaus. Man macht sich heute in einer Zeit, wo die meisten Farben chemisch zubereitet werden, kaum mehr eine Vorstellung von der Bedeutung früher angewandter Färbemittel, die in oft langwierigen Verfahren meist aus der Pflanzenwelt, gelegentlich auch aus dem Tierreich gewonnen wurden. Beim Färben von Garnen und Tuchen standen Produkte aus Übersee im Vordergrund, und eben im Hinblick auf sie war das Ammannsche Handelshaus führend. Da ist an erster Stelle Indigo zu nennen. In blau, seltener in violett geliefert, wurde er gewonnen aus der tropischen Pflanzengruppe der Indigoferaarten. Der in Wasser unlösliche Stoff kam in Form eines kupferfarbig schimmernden Pulvers (cuivré) in den Handel. Die öfters beigefügten Bezeichnungen wie St. Dominica, Curaçao (zwei Inseln der Kleinen Antillen) und Quatimala (Guatemala) kennzeichnen die verschiedenen Varianten als typisch tropische Erzeugnisse. Ebenfalls aus den Tropen stammte die geschätzte Karminfarbe des Cochenille. Man presste sie aus einer besondern Art getrockneter Schildläuse, die mit Vorliebe auf Kakteen hausten und vornehmlich in Mexiko, auch in Algerien lebten. Seit Einführung der Teerfarben hat Cochenille seine frühere Bedeutung völlig eingebüßt.

Ammann wird ein Bankhaus

Nach den napoleonischen Kriegen und dem Ende der Kontinentalsperre in Europa wandte sich das Handelshaus Ammann jedoch gänzlich dem Bankgeschäft zu. Das Geschäft mit den Indienne und Mousseline hatte sich komplett verändert, die Finanzierung von Sklavenschiffen war risikoreich geworden. Piraten beherrschten den Atlantik und die Karibik. Viele Schiffseigner und Handelsleute sind zwischen 1810 und 1815 in Konkurs gegangen. Es gab auch viel Konkurrenz und die Nachbarstaaten begannen sich gegen die Schweizer Manufakturen mit protektionistischen Massnahmen zu schützen. Sie wollten teilweise selber in die Textilindustrie investieren.

Farben für bedruckte Stoffe

Mit dem Zeugdruck (Stoffdruck) wurde die Schweiz im 18. und 19. Jahrhundert zu einem zentralen Warenumschlagplatz. Für Millionen von Livres führte das Land jährlich Rohbaumwolle, weisse Baumwollgewebe und Färbe- und Hilfsmittel (Indigo, Gummi Arabicum) aus Europa (England), Afrika (Senegal), Amerika (USA und Brasilien) und Asien (Indien und Hinterindien – Java) ein und exportierte rund 95% seiner Indiennes. In einer entscheidenden Phase der industriellen Revolution trug der Zeugdruck somit dazu bei, die Schweizer Wirtschaft in der europäischen und Weltwirtschaft zu etablieren.

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Cochenille aus Las Palmas, Orseille und Indigo aus Abessinien (ETHZ, Hönggerberg, Chemische und Pharmakognostische Sammlung). Foto: Peter Schulthess, Frühjahr 2015

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