Mit «Hosenlupf» zum Staatenbund.

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Bild: Bild Unspunnenfest von 1808; Kolorierter Stich von M. Mongin, 1808 (aus Wikipedia, gemeinfrei)

Die Schweiz war um 1815 heillos zerstritten, uneinig, reich und arm zugleich, das Armenhaus Europas, ein Problemkind, kein Staat oder eine Nation. Armut und Heimatlosigkeit waren weit verbreitet, Die Grenzen nach aussen waren offen aber im Inneren wurden sie immer wieder geschlossen, es gab gleich ein Dutzend Zollstationen am Gotthard, unterschiedliche Masse und Gewichte, sogar die Zeit wurde in der Schweiz nicht einheitlich gehandhabt. Vereinbart wurde 1815 gegenseitige Hilfeleistung in Krisen; mit dem Jahr ohne Sommer sperrten die Kantone jedoch gegenseitig ihre Grenzen und verhinderten die freie Zirkulation von Getreide.

Mit «Hosenlupf» zum Staatenbund

Das 1805 und 1808 durchgeführte Unspunnenfest, welches die mittelalterlichen Alphirtenfeste aufgriff, versuchte die Idee einer Einigkeit von Stadt und Land zu fördern: «Nach den langen Jahren des Diktats und der Demütigung durch die Franzosen sollte dem Schweizervolk wieder einmal die Gelegenheit zu echter Festfreude geboten werden, sollten schweizerische Kampfspiele und Lieder das Selbstgefühl und das Nationalbewusstsein stärken.»

Dass es nicht zur jährlichen Austragung kam, lag nicht zuletzt am weiterhin schlechten Verhältnis zwischen Stadt und Land: «Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse blieben im Berner Oberland gespannt. Polizeiwesen und Armennot spotteten nach wie vor der holden Einigkeit zwischen Regierung und Volk». Die Unruhe eskalierte 1814, als es im Berner Oberland zu offener Aufruhr gegen Bern kam. An Unspunnenfeste wurde vorderhand nicht mehr gedacht: Beide Feste hatten zwar den Tourismus nachhaltig entfacht, aber ihre gesellschaftspolitischen Zwecke völlig verfehlt.

Mit Ach und Krach zum Bundesvertrag

Nach dem Ende Napoleons spalteten die Forderungen der alten Kantone wie Bern, Uri und Schwyz, dass ihre Grenzen aus der Zeit vor 1798 wiederherzustellen seien, die Schweiz in zwei Lager. Die Tagsatzung in Zürich, an welcher die Zukunft des Landes verhandelt wurde, dauerte über ein Jahr lang. Nur wegen des grossen ausländischen Drucks schlossen sich am 7. August 1815 22 Kantone zu einem lockeren Staatenbund zusammen. Das Amt des schweizerischen Landammanns wurde wieder abgeschafft, eine zentrale, bundesstaatliche Regierung oder Verwaltung existierte nicht. Die europäischen Grossmächte anerkannten am Wiener Kongress 1815 Neutralität und Staatenbund, vor allem um die Schweiz ins restaurierte, nun wieder ganz monarchistische Europa einzubinden. Der russische Zar und seine Diplomaten hatten die Schweiz vor dem sicheren Untergang gerettet.

 

Weiterführende Links

 

Der Bundesvertrag der Kantone

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Bild: Der Bundesvertrag vom 7. August 1815 zwischen den 22 Kantonen der Schweiz, die staatliche Grundlage der Schweizerischen Eidgenossenschaft zwischen 1815 und 1848. Rund um die Vertragsbestimmungen die Wappen der 22 Kantone mit den alten Wappen von Neuenburg und Graubünden (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)

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