Globalisierung und Heimarbeit.

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Bild: Dreieckshandel zwischen Europa, Afrika und Amerika im 18. Jahrhundert. Quelle: Cooperaxion. www.cooperaxion.org

Die erste Welle der Globalisierung

Die Schweiz war ein Teil der atlantischen Wirtschaft. Neben den Seemächten Holland, England, Frankreich nahm die Schweiz, die in den Häfen der Atlantikküste präsent war, ihren Platz ein. Sie hatte sich früh in die internationale Arbeitsteilung eingefügt, sei es als Erbringerin von Finanz-Dienstleistungen oder durch die Einfuhr tropischer Produkte (Baumwolle/Zucker aus der Karibik) und die Ausfuhr von Fertigwaren (Gewebe für Afrika). In diesem, vom Handelskapital geprägten Europa, mit einer bereits am Vorabend der technischen Revolution wohlhabenden Oberschicht der Städte, entwickelte sich die Schweiz zum zweitgrössten Hersteller von Baumwollwaren. Vorausgegangen war eine lange Phase des protoindustriellen Wachstums und der Diversifikation der Produktion, die sich mit dem Begriff «Industrielle Revolution» nur ungenau fassen lässt: Aufgabe der landwirtschaftlichen Eigenversorgung zu Gunsten der Baumwollspinnerei, der Weberei und der Färberei/Druckerei. Der Reichtum der Städte und der Schweiz im 18. Jahrhundert ist nicht ohne die Sklaven in Westindien und die Heimarbeiter in der Ostschweiz zu erklären. Die letzte Hungerkrise der Schweiz ist auch mit der Geschichte eines typisch schweizerischen Kapitalismus verbunden.

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz, elektronische Ausgabe: Eintrag zur Industrialisierung/Atlantischer Handel aus dem HLS vom Autor gekürzt/bearbeitet

 

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Bild: Handspinnerin. Quelle: Brockmann, Jerosch, H. Dr.: Schweizer Volksleben, Rentsch Verlag Erlenbach-Zürich, 1929

Baumwolle und Heimarbeiter

Die Baumwolle kam im 15. Jahrhundert – auch als Ersatz der verminderten Einkünfte aus dem Söldnerwesen – vorerst in der Stadt Zürich und ab dem 17. Jahrhundert vermehrt in den südöstlichen Gebieten und den Bergregionen des Kantons auf. Die «Zürcher Fabriques» nannte sich das System selbst – es wurde in der Neuzeit auch als Verlagssystem beschrieben. Städtische Kaufleute vergaben Rohware und Arbeit, oder Garne und Webaufträge an einzelne Personen oder Familien auf dem Land. Bezahlt wurde der Lohn meist durch Naturalien wie Brot, manchmal Medikamente. Verträge gab es keine. Bei schwacher Konjunktur gab es weniger Stücklohn und gleichzeitig auch weniger Arbeit. Im 18. Jahrhundert übernahmen vermehrt ländliche Tuchhändler diese Geschäfte. Die städtischen Kaufleute konzentrierten sich auf den Baumwoll-Rohwaren und den Fertigwarenhandel, den Verkehr mit Färbereien, den Einkauf von Hilfsstoffen wie Indigo aus der Karibik oder Java und Gummi Arabicum aus Senegal für die Druckereien, sowie den Export der gefärbten oder bedruckten Indienne- und Mousseline-Gewebe. Für den Transport und die Versicherung lieferten sie auch die notwendigen Finanzdienstleistungen.

 

Weiterführende Links

 

Informationen für die Schulen

Cooperaxion stellt den Schulen eine Dokumentation zur Ausstellung „Auf den Spuren schwarzer Geschäfte“ zur Verfügung. Dieses kann für CHF 20.– bei Cooperaxion bezogen werden unter: http://www.cooperaxion.org/schweiz/ausstellungsdokumentation-bestellen/.

Inhalt der Dokumentation zur Ausstellung

  • Umfassende Literatur- und Linkliste incl. Filme, Hörbeiträge und weiterführende Websites
  • 24 Plakate der Ausstellung mit Informationen
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