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Alle Schuld dem Tambora.

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Die Tambora Caldera von Westen her gesehen. Foto: Katie Preece, 2014.  Publiziert in Geology Today, Band 31, No. 4, Juli-August 2015: The great 1815 eruption of Tambora and future risk from large-scale volcanism

War der Vulkan Tambora schuld an der letzten Hungerkrise von 1816/17 im Zürcher Oberland, in der Ostschweiz, in der Schweiz?

Vulkane können das Klima rascher beeinflussen als der vielbesprochene Klimawandel. Das machte der Samalas 1257, der Tambora 1815, der Krakatau 1883, der Katamai 1912, der Pinatubo 1991 und ein noch unbekannter Vulkan 1809 – also kurz vor dem Ausbruch des Tambora. Alle diese Vulkane haben Schwefeldioxid in die Stratosphäre gebracht und damit die Einstrahlung der Sonne vermindert und teilweise zu mehr Bewölkung geführt. Vulkanausbrüche sind ein Teil des terrestrischen Schwefelkreislaufs – das ist ihre Aufgabe: Ausbrechen und Schwefel in die Atmosphäre ausstossen. Das führt zu einer Abkühlung am Erdboden. Das muss offensichtlich so sein, es ist sicher kein Fehler der Natur und Vulkane sind nicht für die Auswirkungen von «Jahren ohne Sommer» schuld.

Das «Jahr ohne Sommer» und die Hungerkrise von 1817

Die Hungerjahre 1816/1817 waren ein einschneidendes Ereignis. Schuld war das Wetter, der Schnee der liegen blieb, die Nässe, die Fröste, die billigen englischen Garne, die Kornsperren an den teueren Brotpreisen, die Arbeitslosigkeit, die Zürcher Regierung wegen ihrer Untätigkeit, die Überbevölkerung, die Pfarrer weil sie keine Rezepte gegen Armut hatten, die Fabrikanten und Spekulanten, die mechanische Spinnereien einrichteten, Napoleon während der Kontinetalsperre, weil keine Barbados-Baumwolle mehr verfügbar war, der Wiener Kongress der den Berner Bär in einen ungeliebten Bund mit 22 Kantonen trieb …

Schuld sind immer die Anderen

Der Tambora trägt keine Schuld an der Hungerkrise – seine Aufgabe ist es, wie die anderer Vulkane, von Zeit zu Zeit auszubrechen, das ist seine Natur. Die Atmosphäre schafft das Klima, Ozeane speichern Wärme, Kontinente kühlen rascher ab, ozeanische und atmosphärische Strömungen können ändern. Weder sind Vulkanausbrüche vorhersehbar noch die Auswirkungen berechenbar oder das Wissen wo mehr oder weniger Niederschlag fällt voraussagbar.

Wir müssen vorbereitet sein

«Die Zivilisation existiert im Einvernehmen mit der Geologie, eine Situation, die sich ohne Vorwarnung ändern kann» sagte der amerikanische Philosoph Will Durant im Jahr 1935.

Gier, Sorglosigkeit, Völlerei, Unkeuschheit, Spekulation, Hoffnung, Spielsucht, Geiz, Untätigkeit, Selbstbezogenheit machen uns blind und halten uns gefangen. Wer nicht vorsieht, vorsorgt und versichert ist selber schuld … aber nur wenn er Arbeit hat, kein Krieg herrscht und ein stabiles politisches System herrscht.

Übrigens, es war nicht ein Vulkan, sondern es waren deren vier die schuld sind: Der unbekannte  Vulkan X (1809), der Soufrière in St. Vincent (1812) und der Mayon auf den Philippinen (1814) und schliesslich der gewaltige Ausbruch des Tambora (1815), welche Einfluss auf das Klima hatten.

 

 

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Die Sundainseln, der Tambora auf Sumbawa und der Ascheausfall des Vulkanausbruch von 1815. Bild/Grafik: Peter Schulthess, März 2016

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